Nach der langen Überfahrt durch Texas wollte ich in dieser Woche mal New Mexiko kennenlernen, das ich bisher noch gar nicht kannte. In Alpine, NM, lernte ich auf einem Campingplatz Dave kennen, der den Rasen mähte.
Dave, der aus Santa Fe stammt, lebt seit 20 Jahren im Zelt und fährt auf dem Fahrrad. Er hat keine Wohnung mehr und macht Gelegenheitsarbeiten gegen Logis und verdient sich auch die paar Dollar, die er braucht, um seine Habe in Schuss zu halten. Fahrradhändler lassen ihn umsonst in ihrer Werkstatt arbeiten, Campingplatzbesitzer freuen sich über Leute, die ihnen die einfachen Dinge abnehmen. Wir haben uns über amerikanische Politik aus der Bush-Ära unterhalten, und über Mindestlöhne, usw. und so fort. Ein intelligenter Mensch, der sich sein Leben so gewählt hat. In New Mexico, sagt er, leben viele Menschen "outside the grid", damit meint er das alles überziehende Raster, wie man sich den Amerikaner wohl so vorstellt. Nach dem Anfang und Grund seiner immerwährenden Reise habe ich ihn nicht gefragt, war mir dann doch ein bisschen zu privat, ich tippe mal auf eine Frau. Schon Häuptling Least Heat Moon (Falls Ihr das Buch "Blue Highways noch nicht gelesen habt, höchste Zeit) ist wegen seiner Squaw auf die Reise gegangen.
Hier wieder eins der vielen Fotos mit Motorrad, die ersten Beschwerden sind schon eingegangen.
Und damit die Ente auch mal zu ihrem Recht kommt, ist sie auch wieder abgebildet, irgendwie sieht man ihr die Verzweiflung über das heisse, trockene Wetter an.
Mir ist aufgefallen, dass viele Läden und Tankstellen geschlossen sind und so langsam verfallen.
Diese hier war an einer grossen Strassenkreuzung bei Kent und machte einen so trostlosen Eindruck, dass man ihn fotografisch gar nicht richtig wiedergeben kann.
Zapfsäule, ausgeweidet.
Hier weiss man ja nun ganz genau, wo ich mich befunden habe.
Und dann mal ein erstes Foto von einem Truck, weitere werden folgen, die sind wirklich zu schön, und immer so sauber geputzt.
Hier ein Blick aus den Guadalupe Mountains, TX, und man kann die Strasse erkennen, wo ich hergekommen bin.
Und weiter geht die Fahrt, mit einem Zwischenstop bei den bekannten Carlsbad Caverns, deren Besuch ich mir aus Kostengründen versagt habe. Aber ich geh auch nicht gerne unter die Erde, wir Zeltschläfer vertragen ja keine festen Decken über uns. Bevor einer fragt, Tunnel gibts hier eher selten.
ja, und was haben wir denn da? Wenn ich es nicht schon gewusst hätte, nähern wir uns Roswell, NM, wo offensichtlich die ersten Ausserirdischen gelandet sind (Area 51, ihr wisst schon) Das ganze Kaff lebt davon, und selbst der McDonalds ist im Untertassenlook gestaltet.
Auch an die Photos aller Arten von Bikes und Trikes solltet Ihr euch schon mal gewöhnen.
Was ist das? Man sieht, wir sind auch im Pferdeland, und die sind aber nicht echt.
Was soll man dazu noch sagen? I love it.
Eigentlich wollte ich Hymie, den Manager dieses Ladens, auch noch fotografieren, aber habs einen Tag zu spät versucht. Interessantes Gespräch über die vielen aufgelassenen Läden und Tankstellen. Er hat mir erklärt, dass das weniger an zurückgehenden Umsätzen aus Krisengründen so ist, sondern wegen der Konkurrenz der Ketten, von MacDonalds bis Walmart, also Sterben der Tante Emma Läden wie bei uns, nur hier viel auffälliger, weil die Gebäude sich überlassen werden. Abriss und Neubau gibts nicht, ist ja genug Platz da. Sieht aber irgendwie befremdlich aus. Auf dem KOA Campingplatz in Alamogordo bin ich dann mit Ken ins Gespräch gekommen.
Kens Großmutter hatte freundschaftliche Beziehungen zu einer Apachenfamilie, so um 1880, und er hat mir eine Geschichte erzählt. Die Apachen wurden zeitweise versklavt, besonders im Süden. Die Freundin der Großmutter hat ein Messer gestohlen und sich aus der Hintertür der Kirche mit anderen aus dem Staub gemacht. nachts liefen Sie, Tags versteckten sie sich. An einem Wasserloch erlegten sie ein Tier, zerlegten es, benutzten den Magen als Wasserbeutel, und rannten weiter. Nachdem sie in einem geheimen Apachenort Kleidung gefunden hatten, versuchten sie diese in einem Laden gegen Lebensmittel einzutauschen, wurden dann geschnappt und nach Florida deportiert. Später dann nach Alabama, und schliesslich in das Gebiet der Mescaleros, das ist hier. Ich weiss ja nicht, was alles erfunden ist, aber eine schöne Geschichte ist es allemal. Ken zeigt hier sein Buch, das er über die Apachen geschrieben hat, Auf dem linken Foto ist er als 6-jähriger Junge zu sehen.
Hier steht Kens Großvater, erste Reihe, zweiter von links, neben General Pershing, ganz links. Jetzt wissen wir wenigstens, woher die Pershing Rakete (Nato Doppelbeschluss, die älteren werden sich erinnern), ihren Namen hat. hier in der Nähe ist nämlich ein Übungsplatz. Und natürlich das White Sands National Monument.
Und noch ein kleines Panorama. hab hier auch einen Videofilm gedreht, kann ihn aber im Gegensatz zu Moritz noch nicht in den Post einbauen. Aber ich hab ja noch Zeit.
Zu guter Letzt noch eine Begegnung mit einem Motorradstuntman mit seiner Suzuki.
Er war vor Jahren mal mit einer Stuntshow ein halbes Jahr im Ruhrgebiet unterwegs. Er hat schon einen Wheelie Wettbewerb gegen Evil Knievel, den wohl berühmtesten aller Motorradhüpfer, gewonnen, aber auch nur, weil der unter Drogen stand, sagt er.
Ausserdem, wie hier zu sehen, hält er den Weltrekord im Beschleunigungsrennen rückwärtsfahrend. Wer denkt sich denn so was aus? Die Amis natürlich.
So, das wars dann, derzeit bin ich in Silver City, wo ich morgen noch bleibe, und dann gehts weiter Richtung Norden. Bis zum nächsten Mal.